Kaffee mit Minze - #5

Der MINT-Blogcast

Kaffee mit Minze – Der MINT-Blogcast, in welchem spannende und persönliche Insights rund um das Themengebiet der Prozess-Digitalisierung, -optimierung und artverwandten Bereichen diskutiert werden.

In Episode #5 spricht Marc mit Markus Giger, Business Process Consultant bei der Hügli Nährmittel AG über Gemeinsamkeiten von Digitalisierungsprojekten, was der Schlüssel zu guten Prozessen ist und wie Digitalisierung hierbei unterstützend wirken kann und wie sich der Stand letzterer in der Lebensmittelbranche präsentiert.

Marc:
Grüezi Markus, besten Dank, dass Du Dir Zeit für einen Kaffee (mit Minze) nimmst. Während Deiner beruflichen Laufbahn durftest Du schon Digitalisierungsprojekte in unterschiedlichsten Branchen begleiten. Gibt es zu dieser Thematik über all die Branchen hinweg Gemeinsamkeiten, über die Du immer wieder gestolpert bist?

Markus Giger:
Die Digitalisierung hängt mit den Prozessen und Stammdaten zusammen. Basis dafür sind transparente Prozesse. Ein digitalisierter Prozess funktioniert nur, wenn dieser E-2-E betrachtet wird. In der Digitalen Welt benötigt der Prozess jeweils auch über einen hohen Reifegrad. Es muss zusammenpassen, die In- und Outputs müssen eindeutig sein.

Marc:
Was ist Deiner Meinung nach der Schlüssel zu guten Prozessen?

Markus Giger:
Ein erfolgreicher Prozess zeichnet sich für mich dadurch aus, dass damit immer auch ein Mehrwert generiert wird. In meinen Projekten stelle ich die Frage danach jeweils auch auf Prozessschritt-Ebene. So wird gewährleistet, dass ein Prozess von Beginn an effizient und effektiv durchdacht wird. Dieses Vorgehen bringt auch mit sich, einen Prozess dort zu automatisieren, wo per se kein eigentlicher Mehrwert generiert werden kann.
Marc:
Wie kann Digitalisierung dabei helfen, einen Prozess zu verbessern?
 
Markus Giger:
Ich würde es anders sehen: Der Prozess kann helfen zu digitalisieren! Wenn ich nicht weiss, wie der Prozess läuft, wird es schwierig eine Digitalisierung zu erlangen. Ich habe schon erlebt, dass an einigen Orten Prozesse digitalisiert wurden, obschon man den Prozess per se nicht richtig verstanden hat. Wie bereits erwähnt, müssen die Prozesse aus meiner Sicht transparent sein. Durch die Transparenz der Prozesse wird aufgezeigt, wo Schwachstellen und Stärken liegen. Bei der Digitalisierung ist es zudem wichtig, Start- und Endpunkte der Prozesse eindeutig zu implementieren. Es gab aber auch mal eine Phase, da wollte man die Prozesse bis auf Datenmodell-Ebene transparent dokumentieren. Meiner Meinung nach hindert das mehr. Die daraus resultierenden Einschränkungen in der Prozessgestaltung sowie der Möglichkeit, auf Veränderungen zu reagieren, werden durch diese Methode, im Vergleich zum erlangten Nutzen, zum Rohrkrepierer. Eigentlich wird dadurch sogar das Gegenteil erreicht: Der Prozess wirkt nicht mehr transparent, da nur auf Ebene der Entwicklung dieser Detailierungsgrad überhaupt eine Relevanz hat. Um Prozesse in Unternehmungen auf Vordermann bringen zu können, müssen diese auf Business-Ebene betrachtet werden.
 

Marc:
Zurück zu den Branchen: Die Hügli Nährmittel AG operiert ja in der Lebensmittelbranche. Wie präsentiert sich der Stand der Digitalisierung dort? In welchen Bereichen ist sie fortgeschritten und wo gibt es allenfalls noch Aufholbedarf?

Markus Giger:
Wir sind daran ein neues ERP System einzuführen. Mit der Überarbeitung der Prozesse und mit Hilfe des neuen Systems werden die Prozesse innerhalb der Gruppe synchronisiert. Wir sind heterogen gewachsen, was uns bis dato hinderte, die Prozesse durch Digitalisierung über die Gruppe hinweg zusammenzuführen. Wir nutzen jetzt darum diese Chance im Rahmen des Projektes. Mit dieser neuen Basis sind wir fit in eine smarte Produktion einsteigen zu können.

Marc:
Die Produktion von Lebensmitteln ist sehr hohen Standards unterworfen. Inwiefern kann eine sinnvolle Digitalisierung die Einhaltung dieser Standards unterstützen?

Markus Giger:
Die Digitalisierung hilft sicherlich bei der Einhaltung dieser Standards, aber auch dabei, uns intern sowie mit unseren Geschäftspartnern diesbezüglich auszutauschen.

Marc:
Die Corona-Krise präsentierte sich als Katalysator für die Digitalisierung. Was glaubst Du, welche der kürzlich eingeführten digitalen Massnahmen werden auch nach Ende der Krise noch beibehalten werden?

Markus Giger:
Wir haben über ein Jahr lang die Realisierungsphase unseres Projektes digital begleitet. Workshops wurden hierbei in Online-Meetings durchgeführt. Ich glaube, das wird bleiben. Jedoch nicht mehr im gleichen Rahmen. Die smarten Technologien wurden in dieser Zeit mehr denn je genutzt und zeigten uns die Stärken, aber auch die Schwächen auf. Ich glaube, was die Vernetzung der unterschiedlichen Technologien betrifft, werden diese noch weiter zusammenwachsen. Aber auch das funktioniert, wie erwähnt, nur, wenn wir die Prozesse kennen und verstehen. Nur so können aus meiner Sicht, dank Digitalisierung, unterschiedliche Organisationen und unterschiedliche Technologien miteinander verbunden werden.

Zu Gast in dieser Episode:

Markus Giger

Markus Giger

Business Process Consultant bei der
Hügli Nährmittel AG

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